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New Beer in an Old Bottle (review)

This page contains a review (in German) of New Beer in an Old Bottle: Eduard Buchner and the Growth of Biochemical Knowledge by Lothar Jaenicke published in BIOspektrum 5, 205-206 (2000). A longer review by the same author, also in German, appeared in Naturwissenschaftliche Rundschau. 8, 427–428 (2000)

1997 war das Eduard Buchner-jahr für uns. Hundert Jahre zellfreie Enzymologie — und die GBM hat des Jubiläums, zugleich mit dem eignen Silberjahr, gedacht. Auch international haben Enzymologen den Anlaß genommen, zurück — und vorauszublicken. Eines der dabei zustandegekommenen Panoramen muß hier projiziert; aber gute Dinge halten sich und für gedenkende Gedanken ist nie zu spät.

A. Cornish-Bowden, den wir als prinzipientreuen Enzymkinetiker kennen, hat in der Colleccio Oberta der Universität Valéncia eine Reihe hochinteressanter kürzerer Aufsätze und längerer Essays zusammengebracht, die aus verschiedenen Gründen ungewöhnlich ist. Im ersten Teil wird Buchners Arbeit im Original und in Übersetzungen wiedergegeben, die wenige Tage nach dem Absenden erschienene reife Frucht von Sorgfalt und Serendipity. Man kennt die Geschichte von Bruderteam, Münchner Bräuhefe, alkalifreier Diatomeenerde und Mutters Gelee-Rezept. Im zweiten Teil folgen einige überaus scharfsinnige Analysen von Gründern und Zeitzeugen der wahren Enzymologie. F. Schlenks Rückblick zum 75. und A. Kornbergs zum 100. Jahrestag kann man in TIBS nachlesen, aber ganz original und originell ist H. C. Friedmann’s langer Diskurs über Vorgeschichte, Zeit- und Konzeptumstände von Büchners Entdeckung: der Durchbruch des Reduktionistischen in das Neovitalistische, so zusagen Moritz Traubes Rehabilitierung gegenüber Justus Liebig und Louis Pasteur, der Auf- und Ausbau der Physiologischen zur Biologischen Chemie, zur Enzymchemie und der Biochemie des 20. Jahrhunderts, die nun Grundlage der Molekularbiologie geworden ist — vom Zyklus zur Doppelhelix. Dieser kluge Artikel ist einer der Höhepunkte dieser Sammlung. Andere sind die Überlegungen im 3. Teil zur Erfassung der Enzymkinetik als physikalisch-chemische und system-chemische Wissenschaft, die nun in die Bioinformatik und die Molekulare Proteinologie eingehen.

Nicht nur das positive Wissen und Erkennen sind es, die die Lektüre dieses schmalen Buchs so anregend machen, sondern auch die Überlegungen, die sich während des Lesens einschleichen: Das Was-wäre-wenn? und dies melankolische Betrachtung, daß die Riesen, mit deren Schultern wir rechnen, um besser zu sehen, uns diese oft statt dessen kalt zeigen. Darum sei das Buch jungen und alten Biochemikern an Herz und Sinn gelegt.